Keynote

Niedrigschwellige stationäre Hilfen für Jugendliche, die niemand betreuen will.
Zur Notwendigkeit innovativer Projekte am Beispiel der „Systemsprenger-Homebase“ in Berlin
Dr. Matthias Lindner (Freestyle e.V. Berlin)

Der Verein Freestyle e.V. hat kürzlich in Berlin die „Systemsprenger-Homebase“ eröffnet. Die Klientel besteht aus Jugendlichen, die bereits eine enorme Anzahl an Hilfemaßnahmen durchlaufen haben. Ständige Einrichtungswechsel, Aufenthalte in Kriseneinrichtungen, psychiatrischen Kliniken und Trebegang sind ebenso an der Tagesordnung wie massive Gewaltausbrüche oder exzessiver Drogenkonsum. Herkömmliche Jugendhilfeeinrichtungen können und wollen diese Jugendlichen nicht mehr betreuen, Wohnungslosigkeit ist die Folge.
Das oberste Ziel des Homebase-Projekts ist dies zu verhindern. Kern ist ein zugesichertes Zimmer und ein niederschwelliges aber verlässliches Beratungs- und Beziehungsangebot. Regeln und Strukturen sind auf ein Minimum reduziert.
Doch wie muss eine Personalstruktur aufgebaut sein, um eine derartige Klientel (aus)zuhalten? Welche Haltungen und Prinzipien liegen einer solchen Arbeit zugrunde? Wo steckt die Jugendhilfe in Denkweisen und Deutungsmustern fest, die eine adäquate Betreuung von Systemsprenger*innen zuwider läuft? Wo kommt ein derartiges Konzept an strukturelle, gesetzliche und finanzielle Grenzen?

Dr. Matthias Lindner ist für den Berliner Jugendhilfeträger Freestyle e.V. tätig und lehrt an der Alice Salomon Hochschule in Berlin.