Keynotes

Systemsprenger*innen – Symptomträger der Kinder- und Jugendhilfe?
Wolfgang Hagleitner (Universität Innsbruck)

Im Kern stellt dieser Vortrag die Frage: (wie) wirkt das System Kinder- und Jugendhilfe auf das Verhalten von Kindern und Jugendlichen? Der Vortrag stellt im ersten Teil die Ergebnisse einer Längsschnittuntersuchung als Kooperationsprojekt von SOS-Kinderdorf und Pro Juventute zur Veränderung der Zielgruppe stationärer Erziehungshilfe in Österreich dar. Dabei wurden, über einem Zeitraum von 24 Jahren, die Entwicklungen des Eintritts- und des Austrittsalters sowie der Verweildauern stationärer Erziehungshilfe in den Blick genommen. Im zweiten Teil werden mögliche Ursachen sowie mögliche Folgen dieser Entwicklungen für die sozialpädagogische Arbeit im Lichte von Wirkungsstudien und mit Bezügen zur aktuellen Diskussion zur Zielgruppe der Systemsprenger*Innen reflektiert. Im drittel Teil werden, in einer gemeinsamen Diskussion, mögliche Ableitungen für das System Kinder- und Jugendhilfe diskutiert.

Was es braucht, damit wir hilfreich sein können
Kreative Settings und mentalisierende Haltung in der Arbeit mit Teams und komplexen professionellen Netzwerken rund um schwer zu erreichende Kinder und Jugendliche
Beate Huter und Michael Nester (Kinderdorf Vorarlberg)

Die Arbeit mit s „hard-to-reach“ KlientInnen stellt Fachpersonen, Teams und Organisationen vor große Herausforderungen. KlientInnen verweigern unsere Hilfe, ihre Probleme erfordern die Zusammenarbeit in multikomplexen, von Konkurrenz geprägten Helfersystemen, Fachpersonen kommen emotional an ihre Grenzen und auch Organisationen agieren mehr als sie lernen.
Wie können öffentliche und private Kinder- und Jugendhilfe variable, kreative und individuelle Settings schaffen, die es ermöglichen, sie adaptiv anzupassen auf die Bedürfnisse der KlientInnen? Welche Haltung braucht es, damit es gelingen kann, das Vertrauen von KlientInnen in Hilfesysteme wiederzugewinnen? Und wie können Organisationen dabei noch lernend bleiben?
Michael Nesler erzählt aus seiner langjährigen Erfahrung als Sozialpädagoge und stellv. Bereichsleiter der Paedakoop, einer Einrichtung, deren Konzept es ist, die (teil)stationäre und die von Nesler entwickelte lebensweltorientierte Betreuung für Kinder und Jugendliche in Kombination mit einem speziellen Schulsetting anzubieten. Kern des Konzepts ist die besonders enge Kooperation der multidisziplinären Falltrios mit dem Kind/Jugendlichen und der Familie. 
Beate Huter leitet das Team für Elternberatung, Psychotherapie und Diagnostik und ist ausgebildete AMBIT Trainerin. Das Adaptive Mentalization Based Integrative Treatment (AMBIT), ein Konzept des Anna Freud Centres London, ist ein teamorientierter Ansatz zur Arbeit mit schwer zu erreichenden Jugendlichen und komplexen professionellen Netzwerken, dessen Herz die Mentalisierung ist. Seit 2017 ist es integraler Bestandteil der Arbeit in der Paedakoop und wurde im Kinderdorf und in zahlreichen externen Teams in Österreich erfolgreich implementiert.