Workshops 2022

WS 1: Wer hält die (aus) die keiner (aus) hält? Grenzgänger und Systemsprengerinnen, Kids @High Risk
Tanja Kozak (AKS Noah)

Kinder, die Sicherheiten verloren haben, verschaffen sich manchmal mit hochrisikoreichen Situationen eine Form von Kontrolle, wo sie bestimmen können. Leben wird zum Kampf ums Überleben. Sie verweigern die Schule, sind abgängig, destruktiv, boykottieren Gruppen und zeichnen sich durch Perspektivenlosigkeit aus. Hilfsangebote werden verweigert und die oftmals selbst- und fremdgefährdenden Verhaltensweisen bringen Helfersysteme ins Schleudern und Betreuer*innen an ihre Grenzen.
Welche Wege können wir gehen um zu einer Reorientierung und Stabilisierung jener beizutragen, die es uns besonders schwer machen?
Wie können wir „Kids“ begleiten, die dies teilweise ablehnen und die gesamte Umwelt irritieren? Welche Maßnahmen können gesetzt werden, wo sind Grenzen? Individualpädagogische Maßnahmen sind ein Tool und eine Möglichkeit passgenaue Hilfe anzubieten, wie kann dies eingesetzt werden?

WS 2: “Jeder Fall verändert die Organisation?!” 4Raum – flexible und passgenaue Hilfe in der stationären Kinder- und Jugendhilfe.
Elisabeth Pilch & Martin Baumann (4Raum SOS-Kinderdorf)

Die Arbeitsgemeinschaft 4Raum, bestehend aus 7 Organisationen (SOS-Kinderdorf, Jugend am Werk, Diakonie de la Tour, Institut für Familienförderung, Pronegg und Schleich Soziale Dienste, alphanova, AIS-Jugendservice) der Kinder- und Jugendhilfe, ist eingebunden in das System der sozialraumorientierten Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Graz. Die Arbeitsgemeinschaft wurde 2015 gegründet und betreut aktuell ca. 50 Kinder- und Jugendliche sowie deren Familien in verschiedensten passgenauen und flexiblen stationären Settings. Zu 4Raum gehören 2 sozialpädagogische Wohngemeinschaften, eine Kriseneinrichtung und ein mobil betreuter Wohnbereich.
In den letzten 6 Jahren arbeiteten wir häufig mit Kindern- und Jugendlichen, die vorher schon in einigen anderen stationären Einrichtungen und Pflegefamilien lebten und dort entlassen wurden. Das Finden und Umsetzen von passgenauen Lösungen in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen und deren Familien stellt alle Beteiligten Personen und Institutionen vor Herausforderungen und führt unweigerlich zu ständigen Weiterentwicklung und Veränderung in der Organisation.
Im Rahmen eines Workshops möchten wir unsere Erfahrungen zur Verfügung stellen und gemeinsam mit den Teilnehmer*innen Wirkfaktoren herausarbeiten.

WS 3: „Hey! Hier kommt Alex, Vorhang auf für seine Horrorshow!“ – die Fähigkeit ein System zu sprengen. Herausforderungen, Grenzen, Perspektiven
Mag. (FH) Kathrin Gric, MSc & Tina Weissinger, BA (BH Melk Fachbereich Sozialarbeit)

Kinder, Wir wollen in einem Zusammenspiel von AkteurInnen, welche an einer Fremdunterbringung (Kinder- und Jugendhilfe, Sozialpädagogik, Klientin) beteiligt sind, den Fallverlauf von „Julia“ präsentieren. Hier zeigen wir unter anderem Aufgaben, Methoden und auch Grenzen aller Akteur*innen auf. Gemeinsam wollen wir, möglicherweise auch im positivem Sinne „(System) Grenzen“ sprengen. Ein Workshop zur Vernetzung, Ideensammlung und Visionsentwicklung.

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WS 4: Herausfordernde Kinder in „Spielräumen“
Mag. Ulrich Pammer (NÖGUS) & Mag. Martin Berger (Ananas Familienberatung)

Herausfordernde Kinder/Jugendliche sprengen Strukturen, die eigentlich Halt geben sollen. Um diesen Rahmen wieder herzustellen behandelt der Workshop Möglichkeiten, Räume zu schaffen in denen Beziehung, Motivation und daraus resultierende Handlungskompetenz wieder hergestellt wird.
Wie können Gruppen, Schulklassen oder Wohngemeinschaften psychomotorisch bzw. spielerisch begleitet werden, um oben genannte Ressourcen zu aktivieren und den Selbstwert zu stärken?
Situationsbezogene Gruppen- und Beziehungsaktivitäten mit Kindern/Jugendlichen zu gestalten ist eine Herausforderung und wird im Workshop innerhalb der Dimensionen Nähe und Distanz sowie Kontinuität und Abwechslung betrachtet.
Nach einer theoretischen Einführung (u.a. zum Riemann-Thomann-Modell), sowie kleinen Übungen um die Wirkung des Spielens selbst zu erfahren, soll ein Austausch über Fallbeispiele stattfinden.

WS 5: Interdisziplinäres Fallteam (InFaBeT) – Zum Umgang mit herausfordernden Hilfeverläufen in den Hilfen zur Erziehung
Prof. Dr. Vanessa Schnorr (Katholische Hochschule Mainz)

Schulausschluss droht, Jugendhilfeeinrichtungen oder Kliniken lehnen die Aufnahme ab und trotz mehrfacher Fallberatungen und diverser Hilfsangebote steigt der Druck auf die zuständige Fachkraft im Jugendamt, da eine Unterbringungsmöglichkeit für den jungen Menschen nicht in Sicht ist. An dieser Stelle setzt das Interdisziplinäre Fallberatungsteam an Es handelt sich um ein Beratungsangebot für Jugendämter in Rheinland-Pfalz und stellt einen Baustein der vom Landesjugendamt eingerichteten Koordinierungsstelle für komplexe Einzelfälle dar.

In dem Workshop wird das Konzept und die konkrete Arbeit des Interdisziplinären Fallberatungsteams (InFaBeT) vorgestellt. Dieses Beratungsinstrument steht den rheinlandpfälzischen Jugendämtern seit November 2019 zur Verfügung, um komplexe Lebens- und Hilfegeschichten von Kindern und Jugendlichen, häufig als sog. Systemsprenger bezeichnet, zu analysieren und Perspektiven für die weitere Zusammenarbeit zu entwickeln. Erste Erfahrungen und Rückmeldungen der bisher beteiligten Jugendämter haben gezeigt, dass die Arbeit des Interdisziplinären Fallberatungsteams positive Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit den Kindern und Jugendlichen sowie innerhalb des Helfersystems haben. In dem Workshop soll u. a. der Frage nachgegangen werden, was aus den Lebens- und Fallgeschichten der jungen Menschen gelernt werden kann.

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WS 6: Wie Erzieher*innen Systeme sprengen
Vera Taube (Universität Ostfinnland) & Elena Renninger (EAL)

Intensivpädagogische Maßnahmen im Ausland sind ein vielversprechendes, aber auch kontrovers diskutiertes Angebot der Jugendhilfe für “Drehtürklient*innen” und “Systemsprenger*innen”. Chancen und Risiken sind hoch – für beide Seiten, Helfer*innen wie Adressat*innen.
Unser Workshop möchte anhand des Projektes “Erleben, Arbeiten und Lernen” (EAL) ein Beispiel intensivpädagogischer Praxis im Ausland vorstellen. Gemeinsam nehmen wir Erziehungssituationen unter die Lupe und diskutieren sie kritisch: Ziel ist es, sich selbst als Praxisforscher*in auf die Suche nach gelingenden, inspirierenden, neuen – aber auch problematischen, gefährdenden und verbesserungswürdigen Aspekten intensivpädagogischer Praxis im Ausland zu machen.
Wir nutzen Datenmaterial aus einem Promotionsprojekt zu EAL, um uns über die eigene Praxis, Chancen und Fallstricke in der Arbeit mit schwer erreichbaren jungen Menschen auszutauschen, und dabei neue Impulse zu erhalten, um selbst (Erziehungs-)Systeme zu sprengen.

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WS 7: Besser MIT der Familie als gegen sie. (Wie) könnte der Familienrat in herausfordernden „Change-Prozessen“ Arbeitsbündnisse mit allen Beteiligten schaffen?
Michael Delorette & Michaela Huber (FH St. Pölten)

Der Familienrat ist ein partizipatives Verfahren, das Bürger*innen einlädt, selbstbestimmt mit ihrem Unterstützer*innenkreis passgenaue Lösungen zu erarbeiten. Dabei geht es um Entscheidungen und um die Gestaltung schwieriger Umsetzungsprozesse.

Rückführungen von Minderjährigen aus Einrichtungen der vollen Erziehung in ihr Herkunftssystem, die Verselbstständigung von Care Leavers oder die Überleitung von Kindern und Jugendlichen in andere Einrichtungen sind vielschichtig, fragil und in der Regel von ambivalenten Haltungen und Sorgen aller Beteiligten begleitet. Der Familienrat kann in solchen Situationen eine Möglichkeit sein, diese „Change-Prozesse“ unter Einbeziehung aller relevanten Personen sicherer zu gestalten und tragfähigere und nachhaltigere Vereinbarungen zu treffen.

In diesem Workshop wollen wir Sie anhand von Fallbeispielen mit der Methode Familienrat vertraut machen. Außerdem möchten wir mit Ihnen Möglichkeiten diskutieren, ob und wie Familienräte in Veränderungsphasen im stationären Betreuungsprozess hilfreich sein können.

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